Irgendwann 2013 war das, als mein Mann meinte: “Wir fangen jetzt an zu klettern.” Ihm war das Klettersteig gehen allein zu langweilig und mir das frühe Aufstehen, um eine der Ersten am Einstieg zu sein auf Dauer zu viel. “Ok”, hab ich mir gedacht. “Warum nicht?”

Es brauchte nicht viele Kletterstunden bei mir und ich merkte förmlich wie viel Spaß es mir machte mich die Wand hoch zu arbeiten. Ich war sogar richtig gut darin (fand ich). Es dauerte auch nicht lange und aus zwei Kletterterminen die Woche wurden drei, vier, oder teilweise fünf. Entsprechend schnell hab ich mich auch Schwierigkeitsmäßig gesteigert. Den siebten Grad beherrschte ich nach etwa einem Jahr regelmäßigem Klettern relativ sicher. Für mich bedeutet sicher klettern, man klettert unbekannte Routen in dem jeweiligen Schwierigkeitsgrad überwiegend on-site (also ohne zu stürzen, ohne “Zu”-Rufe etc).

Auf Kriegsfuß mit der 7+

Dann ging’s auch schon los mit den 7+ Touren. Mit denen stand ich irgendwie auf Kriegsfuß. Gemäß dem Credo: “Wer schwer klettern will muss schwer klettern”, versuchte ich eine nach der anderen. Es gelang mir nicht.

Im Internet gibt es zig Seiten mit Tipps was man machen sollte um besser zu klettern. Ich hatte bereits einen Technik und Taktik Kurs vom DAV besucht, mit einer meiner Kletterpartnerin regelmäßiges Techniktraining eingeplant - nix.

Irgendwann gab ich auf. Ich beschloss die 7+ einfach auszulassen. Das ist einfach ein undankbarer Schwierigkeitsgrad. 7+/8- ist eh viel interessanter. Es dauerte aber fast ein halbes Jahr regelmäßiger Versuche in der 7+/8- bis ich endlich meine erste 7+ Rotpunkt schaffte. Diesen Zahlenbereich hatte ich zwischendurch doch mal wieder probiert. Aus Angst, es könnte mir kein zweites Mal gelingen hab ich die Tour danach nicht nochmal gemacht. Kurz darauf gelang es mir allerdings auch eine 7+/8- Rotpunkt zu erklimmen. Auch diesen Durchstieg hab ich nicht wiederholt. Was ja eigentlich blöd ist. Weil ich so nicht weiß ob es Zufall war oder tatsächlich Können.

Das Motivationstief

Dann im Oktober 2016 hab ich voller Freude eine neu geschraubte 8- geschafft. Meine Güte war ich Happy. Endlich bin ich in den 8er Bereich gerutscht. Eine Woche später war die Enttäuschung bei mir dafür umso größer. Die Route war abgewertet worden. Was stand da auf einmal - 7?

“WTF…?” Keine 7+/8- und auch keine 7+ war es geworden. Sondern eine glatte Sieben. Ich war dermaßen maßlos enttäuscht von mir dass ich ab dem Zeitpunkt irgendwie keine Lust mehr hatte überhaupt irgendwas zu klettern was über die 7 hinaus ging. Wozu? Ich hatte daraufhin sogar Probleme in so mancher 7- und dann kam eine Phase wo ich mich in einer 6er fast zu Tode fürchtete. Solche Angstphasen hatte ich schon lange nicht mehr.

Es geht runter und es geht wieder rauf

Es gibt Phasen in jedem Kletterleben, da geht es leitungsmäßig aufwärts um dann wieder in ein Tief zu rutschen. Aus dem kommt man aber in der Regel schnell wieder raus. Man ist dann danach sogar besser drauf als vorher. Bei mir war dieses Leistungstief jedoch schon relativ lange. Wo ich jetzt so drüber nachdenke geht irgendwie seit fast einem Jahr gar nichts mehr aufwärts bei mir.

Meine Motivation hat in den letzten zwölf Monaten merklich nachgelassen. Wenn ich eine Möglichkeit habe das Klettern ausfallen zu lassen nutze ich sie.

Ich weiß, dass es sich nur um ein Hobby handelt. Ich bin kein Profi und muss mit dem Sport nicht mein Geld verdienen. Dennoch bin ich ein ehrgeiziger Mensch. Wenn ich mir etwas vor nehme, dann versuch ich es auch zu schaffen. Bisher hat es auch immer funktioniert. Aber nun scheine ich an meine Grenzen zu stoßen. Der Sprung vom 7er in den 8er UIAA Grad fällt mir schwerer als ich dachte. Das frustriert mich sehr.

Wozu der ganze Freizeitstress?

Da geht man mindestens dreimal die Woche klettern. Hat eine gute Tritt-Technik. Nutzt Pausenpositionen wo es nur geht. Von der Fingerkraft her bin ich auch zufrieden und trotzdem schaff ich es nicht auch nur annähernd was im 8er Bereich zu reißen.

Mein Mann kletterte genauso lang wie ich und er ist schon länger in den 8er Routen unterwegs. Seit meinem Erlebnis mit der abgewerteten 8- bin ich auf Kriegsfuß mit allem was sich im Zahlenbereich 7+ aufwärts bewegt. Ich versuch mich natürlich an Routen mit der Schwierigkeit 8 oder auch 8+ - allerdings mit der Einstellung: “Da geht eh nix, aber das ist ja auch nicht der Bereich in dem ich kletter. Also brauch ich auch nicht enttäuscht sein, dass ich es nicht schaffen werde.” Das hilft mir etwas.

Ich bin aktuell sogar bereit auszutesten ob eine Gewichtsreduktion den gewünschten Erfolg bringt. Immer wieder höre ich von anderen, dass sie plötzlich einen ganzen Grad besser kletterten mit ein paar Kilos weniger auf den Rippen.

Mein Lösungsversuch: Intervallfasten

Ich finde nicht dass ich übergewichtig bin. Aber einen Versuch ist es wert. Da ich jedoch von Haus aus relativ viel Sport mache und mich gerade auf meinen ersten Halbmarathon vorbereite wird mir “einfach mehr Ausdauersport” nicht viel bringen. Ich müsste mich wohl eher ans Kalorienzählen wagen. Und das ist für mich ein Problem. Dazu mag ich das, was ich mir jeden Tag auf den Teller zaubere einfach zu sehr.

Mein Alternativplan für die nächsten 6 Monate ist an meinen Essenszeiten zu arbeiten. Sprich: Intervallfasten Meine von mir festgelegten Essenszeiten sind von 7 bis 15 Uhr, weil ich das gut in meinen Tagesablauf integrieren kann. Die restlichen 16 Stunden gibt es nur Getränke in Form von Wasser, Tee oder Espresso. Da ich eh meistens in den späten Nachmittags- / frühen Abendstunden Sport treibe hab ich in der Zeit auch die nötige Ablenkung.

Ich bin Realist und erhoffe mir damit keine schnellen Resultate. Aber auf jeden Fall eine kleine Besserung. Die reicht in meinem Fall auch schon aus. Bevor ich angefangen habe hatte ich mich mit dem Thema schon länger beschäftigt und viel positives über eine Ernährungsumstellung in der Form gelesen. Der Einstieg viel mir auch relativ leicht und die erste Woche war alles andere als schlimm. Studie zum Thema hier.

Hier auch ein kleiner Bericht darüber in Form eines Videos, der über das Intervallfasten aufklärt:

Mal sehen wo es mich hin führt. Falls ich es nicht länger als 4 Wochen durchhalte, dann ist das auch nicht schlimm, weil ich ja auf nichts verzichten muss. Dann geht mein Leben so weiter wie bisher und ich muss mich mit dem Nicht-Aufstieg in den 8er Klettergrad UIAA abfinden.

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