Viele Kletterer kennen ihn, die meisten lieben ihn und fast jeder den ich kenne, hält sich dran - an den Spruch von Wolfgang Güllich (aus “Leben in der Senkrechten”): “Man geht nicht nach dem Klettern zum Kaffeetrinken, Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Kletterns.” Klettern und Kaffee trinken

In vielen Kletterhallen, Klettervideos oder Zeitschriften wird man immer wieder mit eben selbigem Zitat konfrontiert. Was meine These nur bestätigt. Nämlich dass Klettern und Kaffeetrinken zusammen passen.

Egal ob in der Halle oder am Fels. Vor, während oder nach dem Klettern. Einen Kaffeebecher in der Hand zu halten oder ab und an mal daran nippen ist einfach fein. Das erinnert mich an meinen ersten Felskletterkurs in Arco. Da war es sogar so, dass man jedes mal wenn man einen Fehler machte (z.B. kein Partnercheck, Helm falsch aufgesetzt, Klettergurt nicht richtig zu gemacht etc.) dem Klettertrainer Ralf danach einen Espresso in seiner Lieblingsbar ausgeben durfte.

Aufbrühen, aufkochen, Druck machen

Egal wie er hergestellt wird. Ob es sich um Filterkaffee, Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato, Cortado Natural oder was weiß ich sonst noch handelt: Die vermeintlich braune Brühe ist bei Kletterern wie Normalos beliebt wie nie zuvor! Auch ich trinke jeden Tag mein 3-Tassen-Pensum und an manchen Tagen etwas mehr. Und weil ich gar so gern Kaffee trinke und nebenbei auch fotografiere, hatte ich daraus mal ein über zwei Jahre lang dauerndes Fotoprojekt (First coffee of the day) gemacht. Klettern und Kaffee trinken

Kaffee verleiht Superkräfte

Es gibt zahlreiche Studien über Kaffeetrinker und Koffeinkonsum. Beispielsweise wurde von Forschern der Harvard University heraus gefunden, dass regelmäßiger Kaffeegenuss bei Menschen dazu führen kann, dass diese eine 12-16% geringere Sterberate aufwiesen als Kaffeeverweigerer. Oder dass sich bei Frauen das Risiko an Depressionen zu erkranken um bis zu 20% reduzieren kann.

Tolle Aussichten, finde ich. Lässt sich aber persönlich schwer nachprüfen. Wenn ich gestorben bin interessiert es mich nicht mehr ob ich etwas später dran war als meine Mitmenschen. Und wenn ich bereits depressiv bin, habe ich sicherlich andere Probleme zu bewältigen als meinen Kaffeekonsum auf 10 Tassen täglich zu erhöhen. Klettern und Kaffee trinken

Was ich jedoch selbst schon erfahren durfte ist folgendes: Meine erste Tasse Cappuccino am Morgen sorgt dafür, dass ich gut in den Tag starte. Das Koffein hilft mir dabei mich besser zu konzentrieren. Es macht mich wacher und einen gewissen Grad leistungsfähiger.

Viele Sportler greifen eben aus diesen Gründen zum Kaffee. Beim Klettersport ist das nicht anders. Neben dem aufputschenden Faktor vor dem Klettern, sorgt der Kaffee danach für den gegenteiligen Effekt. Ganz entspannt kann man sich in seine Ecke auf dem Sofa zurück ziehen. Die warme Tasse zwischen den Händen halten. Den Duft frisch aufgebrühten Kaffees inhalieren und über die gemachten Routen diskutieren oder Neuigkeiten austauschen. Das Kaffeeritual ist in jeder Situation ideal um seine Kontakte zu pflegen oder neue Kontakte zu knüpfen. Zu erzählen gibt es mit Sicherheit immer was.

Und wenn man mit seinen Kletterpartner an den Fels fährt und vorher oder nachher auf einen Kaffee irgendwo Halt macht, dann gehört das auch zum Kletterausflug dazu. Vielleicht sitzt man ja irgendwo mit Blick zum Fels. Auf jeden Fall schürt dieser Moment die Vorfreude auf das was kommt und sorgt danach für einen gelungenen Tagesabschluss.

Meine Kaffeeausrüstung für den Fels

Selbst beim Klettern am Fels muss man nicht auf den Gemütlichkeitsfaktor verzichten. Ausgestattet mit dem passenden Gaskocher, einem Bialettikännchen und portablen Milchaufschäumer lässt sich auch hier in der Kletterpause dem Kaffeegenuß frönen.

Wenn wir nicht mehr als 4 Personen sind, nehme ich auch oft meine mobile Kaffeebar mit. Die in etwa so aussieht:

  • 1 kleiner Gasbrenner. Ich besitze folgenden Optimus Kocher Crux Lite, weil er besonders klein zusammenfaltbar ist, nicht viel Platz wegnimmt und Gewicht spart. Er ist bei mir schon seit 3 Jahren im Einsatz. War bereits mehrmals im Ausland unterwegs und ist immer noch zufriedenstellend funktionsfähig.
  • Bialettikännchen ausreichend für 4 Personen zur Herstellung von Mokka.
  • Bialetti Milchaufschäumer, damit man nicht auf seinen Cappuccino verzichten muss
  • kein Zucker, denn ich bin der Meinung dass ein wirklich guter Kaffee auch ohne diesen Zusatzstoff auskommt. Dafür Milch und Kaffeepulver, sowie eine Handmühle für Unterwegs, wenn man ganze Bohnen mahlen möchte. Meine ist von Coffeeba und hat mir schon gute Dienste geleistet (-> Handmühle gibt’s bei Amazon).

Klettern und Kaffee trinken

Info: Bei Amazon kann man sich die Einzelteile meiner Kaffeeausrüstung für den Fels genauer ansehen, wer mag. Handmühle für unterwegs, Bialettikännchen, Bialetti Tutto Crema Milchaufschäumer mit Doppelsieb für einen stabilen Milchschaum, Optimus Kocher Crux Lite

Ein paar persönliche Fakten zum Kaffee

  • Meine erste Tasse: Die hab ich im zarten Alter von 7 getrunken. Ich war alt genug für die Schule, also auch für Kaffee. Damals gab’s bei mir zu Hause stets einen von meiner Oma liebevoll zubereiteten “Caro”. An Muggefuck meinte mein Opa dazu (fränkisch für ein kaffeeähnliches Getränk, dass aber mit Kaffee nichts zu tun hat).
  • Meine billigste Tasse: Den billigsten Kaffee hab ich bisher in Rovereto am Bahnhof bekommen. 90 Cent für einen wirklich famosen, frisch zubereiteten Cappuccino. Wobei man sich um mich als Gast bemühte und nach dem Zustand der Milch fragte (caldo o freddo?). Einfach, indem man bei 26 Grad mit verschränkten Armen, bibbernd vor mir stand und Kälte andeutete. Irgendwann 2010 war das (mittlerweile ist mein Italienisch deutlich besser).
  • Meine Anlaufstelle für Kaffee in Antalya: Einen guten Kaffee (genauer gesagt Cappuccino) in Antalya (Geyikbayiri) zu finden war schwer. Fündig wurden wir im “Climbers Garden”. Nachdem deren Kaffemaschiene jedoch den Geist aufgab und nicht mehr repariert wurde, sind wir ein Jahr später ins “Josito” abgewandert. Den absolut besten türkischen Mokka bekam ich jedoch im “Peak Guesthouses camp”. Zusammen mit einer tollen Geschichte präsentiert - absolut empfehlenswert!
  • Meine mißerabelste Tasse: Meinen schlimmsten Cappuccino hab ich in El Chorro getrunken. Irgendwo als wir abends essen waren. Ich weiß noch wo ich zu den anderen meinte “Bei einem Cappuccino kann man nix falsch machen. Der ist überall gleich.” Die Lacher waren danach auf meiner Seite als das mir servierte Getränk von der Bedienung als Cappuccino präsentiert wurde. Die Dame hat sich redlich bemüht - keine Frage. Nahezu 20 Minuten lang hab ich sie bei der Herstellung Ihrer Kreation beobachtet und mich gefragt: “Was macht die da blos?”
  • Mein Lieblingscafé: Eindeutig der Dinzler am Irschenberg. Sowohl vom Ambiente als auch den Bohnen.
  • Meine größte Menge Kaffee in 4 Stunden: 25 Tassen. Das war, als ich einen Baristakurs mitgemacht habe. Wir hätten ihn nur probieren und ausspucken sollen - das brachte ich irgendwie nicht über’s Herz. An diesem Abend hatte ich übrigends auch eine meiner schlaflosesten Nächte.
  • Was ich bei einem Cappuccino am wenigsten mag: Zu heiß aufgeschäumte Milch und den blöden Spruch wenn man was sagt: “Einfach stehen und abkühlen lassen.” Bei solchen Worten verpass ich der Person immer (innerlich) links und rechts eine schallende Ohrfeige. Milch, bzw. das darin enthaltene Fett ist ein Geschmacksträger. Ist die einmal zu heiß verändert sich der Geschmack ins Negative und der ganze Cappuccino schmeckt verbrannt. Daran ändert auch das stehen und abkühlen lassen nix mehr. Ein solcher Cappuccino ist für’n Arsch. Das ärgert mich jedes mal dermaßen, weil das in jedem ordentlichen Baristakurs erklärt wird. Das passiert meist solchen Leuten, die selbst keinen oder wenig Kaffee trinken. Den Unterschied schmeckt man. Klettern und Kaffee trinken
  • Mein Kaffee daheim: zur Zubereitung bei mir setzt ich eine Lelit PL 41 EM, sowie für die Bohnen die Rancilio Rocky D - Kaffeedosiermühle ein. Beides für meine Zwecke voll ausreichend.
  • Kurioses: Im Bialettikännchen an der frischen Luft. Oft nach einer anstrengenden Route im Beisein meiner Mitkletterer schmeckt der Kaffee tatsächlich besser, als wenn ich die gleiche Sorte mit dem selben Kännchen daheim auf dem Herd zubereitet trinke.

Meine Empfehlungen

Das Buch zu Wolfgang Güllich wo das Zitat mit dem Kaffeetrinken während des Kletterns vorkommt gibt es bei Amazon: Wolfgang Güllich: Leben in der Senkrechten

Außerdem kann man sich auch in einer Video-Dokumentation über dessen Leben als Kletterer (nicht nur Kaffeetrinker) informieren.

Und dann gibt es da noch meine absolute Lieblingssendung über Kaffee vom Chaos Radio Express, wo man ganz viel lernen kann. Hier der Link dazu: https://cre.fm/cre119-kaffee#t=00:00 Hört sie auch an, sie ist informativ und unterhaltsam.

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